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Klimaverhandlungen SB64: KOO, CIDSE und Heiliger Stuhl nehmen teil

Die KOO war wieder bei den Bonn-Verhandlungen als Vorbereitung auf die heurige UN-Klimakonferenz COP31 dabei – Beiträge und Einschätzung

Die KOO hat als zivilgesellschaftliche Beobachterin wieder an den jährlichen technischen Verhandlungen der UN-Klimarahmenkonvention (UNFCCC) in Bonn teilgenommen, welche noch bis 18. Juni andauern. Diese Verhandlungen aller Staaten bereiten die Themen und Optionen für die heurige COP31 im November 2026 in Antalya/Türkei vor. Dabei agiert die KOO in engem Austausch mit unserem internationalen Dachverband CIDSE sowie als Teil der Allianz für Klimagerechtigkeit mit dem europäischen und internationalen zivilgesellschaftlichen Climate Action Network.

 

Themen der Konferenz

Die Verhandlungen in der Heimatstadt des Sekretariats der Klimarahmenkonvention decken die große Bandbreite an Themen ab, die rund um die internationale Klimapolitik diskutiert und in Workshops und Dialogen vorangebracht werden. Unter anderem sind das ein Klimaschutz-Arbeitsprogramm (WMP), ein Just Transition Arbeitsprogramm und ein neuer Mechanismus zur gerechten Transformation hin zu einer klimasicheren Wirtschaft, ein neues Klimafinanzierungs-Arbeitsprogramm und ein Dialog (Veredas Dialogue) zur Ausrichtung aller Finanzströme (v.a. Investitionen) an einer treibhausgasarmen und resilienten globalen Entwicklung, Weiterarbeit an der Messbarmachung der Anpassung an den Klimawandel, ein Workshop zur Unterstützung bei der Transformation der Landwirtschaft und auch Reformen zur Effizienzsteigerung des zu Recht als ineffizient kritisierten Verhandlungsprozesses selbst. Österreich hat zudem seinen zweijährigen Transparenzbericht (BTR) der eigenen Klimamaßnahmen den anderen Ländern vorgestellt.

Des Weiteren wurde auf verschiedenen Ebenen versucht, die Ergebnisse der motivierenden Konferenz zur Abkehr von fossilen Brennstoffen – welche Ende April 2026 unter anderem ein knapp 60 Staaten umfassende „Frontrunner-Coalition“ hervorgebracht hat – in die Verhandlungen einfließen zu lassen. Gemeinsam mit CIDSE und anderen Partner*innen hat die KOO an der Gestaltung eines hochrangigen Side Events zu Folgen der Santa Marta Konferenz mitgewirkt.

 

Bewertung der Verhandlungen zur Klimafinanzierung

Viele Länder des Globalen Südens, in denen die Mitgliedsorganisationen der KOO aktiv sind, sind für ihre Klimamaßnahmen auf finanzielle Unterstützung der reicheren Länder angewiesen. Daher verfolgt die KOO bei den internationalen Klimaverhandlungen vor allem die Verhandlungsstränge zur sogenannten internationalen Klimafinanzierung. In Bonn ist das einerseits das neue Climate Finance Work Programme, bei dem in der ersten Woche vor allen äußerst unterschiedliche Auffassungen dazu dargelegt wurden, ob den dieses Arbeitsprogramm bereits begonnen hätte und welche Themenbereiche darin besprochen werden dürfen. Einen tatsächlichen inhaltlichen Austausch darüber, wie denn nun das neue internationale Klimafinanzierungsziel (NCQG) von 300 Milliarden USD jährlich bis 2035 erreicht werden kann, gab es im wesentlichen nur während des Abschnitts, an dem zivilgesellschaftliche Organisationen ihre Ideen darlegen konnten. Es blieb bisher offen, wie es nun mit diesem wichtigen Arbeitsprogramm zur Umsetzung des NCQG bis zur COP31 weitergehen soll.

Viel stärker engagiert waren die Staaten und auch die zivilgesellschaftlichen Beobachter*innen bei den sogenannten Veredas Dialogen, welche einem Austausch zu Möglichkeiten der Umlenkung globaler Finanzströme in Richtung treibhausgasarmer und klimasicherer Investitionen dienen. In dem Kleingruppen-Format konnten sich auch Organisationen wie die KOO einbringen und unsere Anliegen, wie Klimafinanzierung ohne Verschuldung und notwendige Steuern im Sinne des Polluter-Pays-Prinzips wurden wahrgenommen. Insgesamt hat die Fragestellung der Dialoge jedoch den Austausch vor allem auf die Möglichkeiten der Mobilisierung von privaten Finanzmitteln (Investitionen von Unternehmen) für Klimamaßnahmen und sogar für die Finanzierung von Anpassungsmaßnahmen gelenkt – als ob Klimamaßnahmen nur dann legitim wären, wenn sie auch Gewinn abwerfen. Viele Länder des Globalen Südens haben daher vehement darauf hingewiesen, dass sie nicht nur günstigeren Zugang zu Krediten benötigen (Zinsen über 20% kann sich bei uns kaum jemand vorstellen), sondern vor allem auch echte Zuschüsse für Anpassungsmaßnahmen und zur Behebung von Schäden und Verlusten durch den Klimawandel.

Für die KOO und auch einige andere Beobachter*innen war zudem geradezu irritierend, dass bei den Veredas Dialogen fast niemand über das Verhindern von klimaschädlichen Investitionen in die fossile Energie gesprochen hat. Laut der neuen Studie „Banking on Climate Chaos“, welche auch die KOO unterstützt hat, haben im Jahr 2025 die 65 größten Banken der Welt eine unglaubliche Summe von 905 Milliarden USD in den fossilen Sektor investiert (Spoiler: auch die OMV kommt darin vor). Damit wir nicht weiter riesige Löcher in unser gemeinsames Klimaschutz-Boot bohren, müssen Investitionen in Öl-, Gas- und Kohle-Infrastruktur unattraktiv bzw. unrentabel gemacht werden. Dazu braucht es Steuern auf die Gewinne von fossilen Unternehmen, das Umlenken von immer noch massiven öffentlichen Förderungen für emissionsintensive Aktivitäten und weitere Maßnahmen, um fossile Investitionen viel risikoreicher für die Geldgeber zu machen.

 

Engagement der Katholischen Kirche

Verschiedene Akteur*innen der Katholischen Kirche versuchen – wie auch Kolleg*innen vieler anderer Religionen – moralische Perspektiven und den Blick auf das große Ganze in die technischen Verhandlungen einzubringen. Neben den bekannten Verbänden wie CIDSE und Caritas Internationalis hat sich ein übergreifendes Network of Catholic Climate and Environment Actors (NCCEA) als Plattform der katholischen Zivilgesellschaft etabliert und wird von CIDSE koordiniert. In dieser Gruppe tauscht sich die KOO zu gemeinsamen Anliegen (Zusammenfassung) aus und es wurden erstmals Pressekonferenzen zum Start (Video, Aussendung) und zur Bewertung der Zwischenergebnisse (Video, Aussendung) abgehalten.

 

Auch der schon traditionelle Austausch mit der Delegation des Heiligen Stuhls – diesmal bestehend aus Vertreter*innen der Nuntiatur in Deutschland und dem Dikasterium für integrale menschliche Entwicklung – hat im Rahmen von NCCEA stattgefunden. Neben dem Austausch über die für uns wichtigen Themen sowie die Verhandlungsschwerpunkte des Heiligen Stuhls haben wir Vorschläge zum Engagement der Delegation mit Staatenvertreter*innen eingebracht. Dabei war für die KOO besonders erfreulich, dass der Heilige Stuhl sich für öffentliche, vorhersagbare und nicht rückzahlbare internationale Klimafinanzierung für Länder des Globalen Südens ausgesprochen hat und das Verhindern von Investitionen in den fossilen Sektor als wichtiges Ziel sieht.

Die KOO hat sich ebenso mit Vertreter*innen der österreichischen Delegation und gemeinsam mit anderen europäischen Organisationen mit der Delegation der EU und ihren Mitgliedsstaaten ausgetauscht, welche mit einer gemeinsamen Stimme auf der Konferenz sprechen. Die Zusammenarbeit in den internationalen Netzwerken wie Climate Action Network Europe und der internationalen zivilgesellschaftlichen Arbeitsgruppe zu Finanzierung ist für das Engagement auf den Konferenzen zentral und hat auch heuer wieder äußerst gut funktioniert. Im Kontrast dazu stehen aber aus heutiger Sicht die äußerst kleinen Fortschritte bei den Verhandlungen selbst, welche es der gemeinsamen türkischen und australischen Präsidentschaft der COP31 sehr schwer machen werden, im November bedeutende Erfolge zu erreichen.

 

Viele Akteur*innen setzen daher auf zusätzliche Klima-Prozesse außerhalb der UN-Konferenzen, wie die zweite Konferenz zur Abkehr von fossilen Brennstoffen, welche voraussichtlich im März und Mai in Irland und Tuvalu stattfinden wird. Die internationale Zusammenarbeit zum Schutz unseres Lebensraumes vor den Auswirkungen der Erderhitzung geht weiter, muss aber derzeit verzweigtere Wege nehmen und nicht nur auf neue Ziele sondern vor allem auf die konsequente und ambitionierte nationale und lokale Umsetzung der Vereinbarungen und die dafür notwendigen internationalen Rahmenwerke setzen.

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