In welchem Verhältnis steht christliche Mission zu anderen Religionen und Glaubensvorstellungen?
In der Vergangenheit hat die Katholische Kirche ihre eigene Lehre als einzig gültige Glaubenswahrheit verstanden, außerhalb derer kein Heil zu finden sei. Diese Haltung ist seit dem II. Vatikanischen Konzil (1962-1965) einer deutlich positiveren Einstellung gegenüber anderen Religionen und Glaubensvorstellungen gewichen. Zwar setzen sich Christ*innen weiterhin überzeugt für die Frohe Botschaft des Evangeliums ein; zugleich geht die Katholische Kirche allerdings davon aus, dass die göttliche Wahrheit nie vollständig erfasst werden kann und sich auch außerhalb des christlichen Glaubens Strahlen dieser Wahrheit finden.[1]
In diesem Sinn verteidigt sie die Religionsfreiheit als wichtiges Menschenrecht, das allen Religionen zusteht und strebt nach einem tieferen gegenseitigen Verstehen der jeweiligen Glaubensüberzeugungen. In der interreligiösen Begegnung steht heute das gemeinsame Ziel eines friedlichen und gerechten Zusammenlebens aller Menschen und Gruppen im Zentrum, das viele Religionen eint. An die Stelle der Konkurrenz um Glaubenswahrheiten und Gläubige ist vielfach der Dialog und die Zusammenarbeit für dieses gemeinsame Ziel getreten. Christ*innen sind dazu aufgerufen, anderen Glaubensvorstellungen in Offenheit, Demut und Solidarität zu begegnen, um einander tiefer verstehen und voneinander lernen zu können und gemeinsam Wege zu einem guten Leben für alle und zu einem liebevollen Miteinander zu finden.
[1] Vgl. Erklärung „Nostra aetate. Über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen“ (1965): Abschnitt 2.