Gegen Rekordhitze und Klimafolgen: Menschen im Globalen Süden benötigen auch in Krisenzeiten finanzielle Unterstützung
Europa erlebt in diesem Sommer schon die zweite enorme Hitzewelle mit tausenden zusätzlichen Todesfällen, Waldbränden von Griechenland bis Nordengland und dem allgemein um sich greifenden Verständnis, dass die Folgen der Erderhitzung nun auch uns im Alltag massiv treffen.
Viele Partner*innen der KOO und ihrer 35 Mitgliedsorganisationen in über 100 Ländern des Globalen Südens sind jedoch schon seit vielen Jahren von den massiven Auswirkungen des übermäßigen globalen CO2-Ausstoßes betroffen: mehr und größere Überschwemmungen, Dürren und Stürme, Versalzung von landwirtschaftlichen Böden, steigender Meeresspiegel und Verlust von Arten – all das bedroht die Erfolge der Armutsbekämpfung der letzten Jahrzehnte. Und das kommt nicht überraschend, denn der Weltklimarat (IPCC) zeigt in seinen wissenschaftlichen Berichten sowohl die zunehmenden Risiken der Erderhitzung auf als auch die möglichen und bereits vorhandenen Lösungen beim Klimaschutz, bei der Anpassung an die Auswirkungen sowie um unumgänglichen Schäden und Verlusten zu begegnen.
Es sind enorme Anstrengungen für eine globale Transformation hin zu einer klimasicheren Zukunft notwendig – politische, technische und finanzielle Anstrengungen, welche nicht nur reiche Staaten herausfordern, sondern viele der ärmsten Länder der Welt zu überfordern drohen. Ein Kernelement, um die Resilienz von Ländern des Globalen Südens gegenüber dem Klimawandel zu stärken und Anpassungsmaßnahmen an die klimatischen Entwicklungen umzusetzen, sind ausreichende finanzielle Mittel. Und hier stehen die reichen Länder, die massiv überproportional zur Klimakrise beigetragen haben und jene Länder, die das noch immer tun, in der Pflicht: das Pariser Klimaabkommen, das Klimafinanzierungsziel bis 2035 und auch das Klimagutachten des Internationalen Gerichtshofs bilden die Grundlagen dieser Verpflichtung zur finanziellen Unterstützung. Dazu gehören, bis zum Jahr 2035 jährlich 300 Milliarden US-Dollar an internationaler Klimafinanzierung bereit zu stellen, die Finanzierung von Anpassungsmaßnahmen zu verdreifachen und die Auszahlungen der Klimafonds schon bis 2030 zu verdreifachen.
Finanzielle Unterstützung für Klimamaßnahmen absolut unzureichend
Die aktuelle Realität sieht jedoch anders aus. Laut einem neuen Bericht der NGO Oxfam, haben die Industriestaaten im Jahr 2024 zwar 137 Milliarden US-Dollar an internationaler Klimafinanzierung für Klimaschutz- und Anpassungsmaßnahmen eingemeldet, aber den Großteil davon nur als Kredite bereit gestellt, welche mit Zinsen zurückbezahlt werden müssen und die erdrückende Schuldenlast von Ländern des Globalen Südens weiter erhöhen. Oxfam schätzt, dass nur 33-45 Milliarden US-Dollar als echte Unterstützung zur Verfügung gestellt wurden – und davon nur 15-18 Milliarden für Anpassungsmaßnahmen. Das ist nur ein winziger Bruchteil der tatsächlich notwendigen Investitionen, welche Länder des Globalen Südens für den Schutz ihrer Bevölkerung vor der Erderhitzung – zu der die meisten kaum beigetragen haben – schultern müssen.
Zugleich kämpfen die viele Länder der Welt damit, dass sie die Schäden durch häufigere Naturkatastrophen beheben und die betroffenen Regionen wiederaufbauen müssen. Der neue internationale Fond für Schäden und Verluste (FRLD) – dessen Gründung ein großer Erfolg der letzten Klimakonferenzen war – sollte letzte Woche erstmals Unterstützungsprojekte in ärmeren Ländern finanzieren. Doch die zur Verfügung gestellten Mittel (250 Millionen US-Dollar) trafen auf Projektansuchen in der Höhe von 2,8 Milliarden US-Dollar. Angesichts des über 10-fach größeren Bedarfs an Unterstützung in dieser ersten Runde, sah sich der neue Fond nicht in der Lage, über Projekte zu entscheiden.
Am selben Tag hat der österreichische Nationalrat über das Doppelbudget 2027/2028 abgestimmt. Der Budgetposten internationale Klimafinanzierung, welcher diesen Fond für Schäden und Verluste sowie den zentralen Green Climate Fund und auch weitere Anpassungs-Projekte in Ländern des Globalen Südens unterstützen soll, wurde vom Umweltministerium bis 2028 um rund 50% gekürzt. Dies trifft auf die bereits in den Vorjahren reduzierten Mittel für die öffentliche Entwicklungszusammenarbeit, welche auch Klima-Projekte unterstützt, und beschleunigt die bestehende Abwärtsspirale von nachlassender Unterstützung reicher Länder für Klimamaßnahmen in ärmeren Ländern.
Die derzeit massiv einbrechende Unterstützung hat Papst Leo XIV in seiner Botschaft an den Austrian World Summit im Juni angesprochen, in welcher er als Ziel den Aufbau von Gesellschaften, in denen das Gemeinwohl Vorrang vor reinem Profitstreben hat und wirtschaftliche Modelle auf Solidarität sowie auf der Achtung der Menschenwürde beruhen, gesetzt hat und als Voraussetzung dafür sieht, dass wohlhabendere Länder ihren Verpflichtungen nachkommen und ärmere Staaten finanziell wirksam unterstützen.
Eine Trendwende der Hoffnung einläuten
In seiner Botschaft setzte Papst Leo XIV die Hoffnung der bestehenden Angst vor Veränderung angesichts der globalen Herausforderungen gegenüber. Diese Herausforderungen bräuchten internationale Kooperation und einen geschlossenen und zukunftsorientierten Multilateralismus, um wirksame Lösungen zu entwickeln und umzusetzen.
Für die Koordinierungsstelle bedeutet das unter anderem, dass Österreich bis zur UN-Klimakonferenz COP31 im November in Antalya, mehrjährige finanzielle Unterstützungszusagen für den Zeitraum von 2027-2030 vorlegen muss. Darin müssen sowohl mehr finanzielle Mittel für die direkte Projektunterstützung sowie die Beiträge zum Green Climate Fund, dem Fond für Schäden und Verluste als auch dem besonders wirksamen Anpassungsfond enthalten sein. Um diese Investitionen in den Schutz von Menschen im Globalen Süden zu finanzieren, sollte Österreich die permanente Besteuerung der Gewinne von fossilen Unternehmen einführen – mit dem Zusatzeffekt, dass klimaschädliche Investitionen nicht mehr so lukrativ sind – Ländern des Globalen Südens Staatsschulden erlassen – um finanziellen Spielraum für Klimamaßnahmen zu ermöglichen – sowie in Österreich fossile Subventionen rascher und umfangreicher als bisher angedacht zurückfahren.
Für diese Trendwende benötigt es visionäre, auf Menschenwürde basierende, nationale Politik und mutige Vorreiter*innen auf europäischer sowie internationaler Ebene. Denn Klimagerechtigkeit erreichen wir nur gemeinsam, und nur wenn auch in schwierigen Zeiten über den nationalen Tellerrand hinaus geplant und gehandelt wird.
